Pepes Galaxie

Neulich hatte ich mal wieder eine Frau über Nacht da. Am nächsten Morgen hat sie für mich in meiner Küche Kaffee kochen wollen. Nett von ihr. Dabei ist ihr aus Versehen mein goldener Becher hingefallen und in tausend Scherben zersplittert. Ich bin wütend geworden. Warum fasst du überhaupt diesen Becher an? Der steht doch ganz hinten im Regal! Na, weil er so hübsch war – und das ist ja wohl kein Grund, so auszuflippen! Ist doch nur ein Becher! Und war ja keine Absicht. Ach, Fuck off, sage ich, und sorry, und mir kommen die Tränen, die vor zwanzig Jahren hätten fließen sollen.

Damals ist alles noch so sonderbar ostig hier in Lichtenberg. Verbretterte Geschäfte, alle Nuancen von Grau und seltsame Menschen. Vor dem Haus, in dem ich eine Wohnung besichtigen will, rempelt mich ein Skinhead an. Pass doch auf, du Idiot, sage ich. Er dreht sich zu mir um, auf seinem Shirt lese ich Keiner macht mehr Ärger als der Lichtenberger. Na, is was, Arschloch, fragt er mich, Lust uff Schmerzen? Nee, lass mal, alles gut, murmele ich.
Jetzt also Frankfurter Allee, unweit vom U-Bahnhof Magdalenenstraße in der Atzpodienstraße. Südlich der Allee Plattenbauten, nördlich davon schlichte Bürgerhäuser aus wilhelminischer Zeit. Die ehemalige Stasi-Zentrale und der Frauenknast sind nur Steinwürfe entfernt. Alles hier ist die Verneinung meiner alten Adresse am feinen Mexikoplatz in Zehlendorf. Doch die Wohnung ist günstig. Ich frage den Wohnungsverkäufer, ob er jemanden kennt, der das Bad neu fliesen kann und solche Sachen. Eigentlich könnte ich das auch selbst machen. Ich bin Ingenieur, keiner von den beratenden Schlipsträgern, sondern fertigungsnah. Aber zum Heimwerkern fehlt mir meist die Zeit, und in der Wohnung ist noch vieles zu machen, das Bad ist erst der Anfang.
Der Verkäufer sagt, er kennt jemanden, Walter heißt der, aber alle nennen ihn Pepe, den schickt er mir. So lerne ich am nächsten Wochenende Pepe kennen. Groß und kantig, im Blaumann mit Werkzeuggürtel, unter einem grauen Haarschopf wache Augen. Tach, ick bin Pepe, der Kiezhandwerker. Freut mich, sage ich, Thomas. Pepe schaut auf mein Klingelschild und dann wieder mich an. Ach, sind wa nen Dokter? Ja, sage ich, aber kein Arzt. Bin Ingenieur. Und, keene Frau? Nein, die ist weg, deshalb bin ich ja umgezogen. Na dann. Er riecht noch nach seiner letzten Kippe, also biete ich ihm erstmal eine Zigarette und einen Kaffee an. Wir verstehen uns auf Anhieb und kloppen später gemeinsam den Fliesenspiegel runter. Auch den alten Boden stemmen wir raus. Ich erfahre, dass Pepe hier im Kiez geboren wurde. Hat auch mit zwei Ausnahmen immer hier gelebt. Die Eltern früh getrennt, und mit 17 hat er Ärger bekommen, kam mit den Autoritäten nicht klar: „Mann, wat hab ick früher für Scheiße im Schädel jehabt. Nur jesoffen und jeprügelt. Dann hab ick einem lang und schmutzig auf die Fresse jehaun, der in der Stasi war. Wusst ick ja nich. Dafür hab ick Berlinverbot bekommen und bin nach Karl-Marx-Stadt. Da musst ick in einer Textilfabrik rabotten. Nur Weiber um mich rum. Dokter, dort hab ick jevögelt wie verrückt, jeden Tach ne andere, war wie Dynamitfischen. Schöne Zeit.“
Später, als Pepe die Ausgleichsmasse gießt, erzählt er weiter von früher: „Irgendwann musst ick zur NVA. Ick war in Thüringen, anner Grenze. Und dann hab ick mir mit nen paar Kameraden ein Auto klar jemacht und wir haben versucht, durchn Zaun zu brettern. War nich so clever. Mir hamse einjebuchtet, drei Jahre, war keen Zuckerschlecken, Dokter, bis dein Westen mich frei jekooft hat. Zwee Jahre war ich in München, aber da im Westen, nich übel nehmen, Dokter, dit sind allet Arschgeigen.“
„Wann bist du wieder zurück nach Berlin?“
„Sofort, als die Mauer fiel. Dit jab nen Knall durch den Unterdruck, so schnell bin ick wieder rüber nach Lichtenberg.“
Was Pepe erzählt, lässt die Zeit verfliegen. Zwischendurch immer wieder Kaffee und Kippen.
Am nächsten Sonntag geht es weiter auf meiner Baustelle, irgendwann tagsüber sagt Pepe zu mir: „Dokter, du kennst doch hier keenen, oder?“ „Nein.“ „Dann komm mal mit ins Galaxy.“ „Was ist das Galaxy?“ „Na, dit Cafe um die Ecke, anner Frankfurter.“ „Das habe ich schon mal gesehen, ich dachte, es wäre eine Kneipe.“ „Is auch ne Kneipe, je nach Uhrzeit. Die haben rund um die Uhr auf, in drei Schichten. Meine Frau arbeitet da. Jibt lecker Essen da. Bist so dünne, Dokter.“
Noch am Abend gehen wir ins Galaxy. Von außen ein neongrün erleuchtetes Schaufenster mit ergeben leidenden Topfpflanzen, innen der angelaufene Charme der Achtziger Ostjahre, ein Sammelsurium aus gepresstem Spanmobiliar und Sprelacart. Filigrane Barhocker mit Geflecht, erdbraune Fliesen, in einer Ecke funkeln bunte Spielautomaten, daneben eine Dart-Scheibe, im rückwärtigen Raum ein Billardtisch. Auf dem Tresen Berliner Pilsener und Salzstangengläser unter lachsfarbenen Servietten, davor eine Handvoll Männer im Ensemble ihrer Mollen und Schnäpse. Die Luft ist nikotingesättigt, der Kippendunst färbt alles graublau. Als Pepe den Raum betritt, gibt es ein großes Hallo. Pepe nutzt den Moment und stellt mich kurz vor: „Haltet ma kurz alle die Schnauze. Dit is der Dokter. Der kommt jetzt öfter. Is aber keen Arzt, und euch kann sowieso keiner helfen. Dafür, dass er ausm Westen is, isser jar nich so scheiße.“
Was Pepe sagt, hat Gewicht, das merke ich sofort. Freundliches Nicken der Tresengesichter.
Pepe begrüßt die Bedienung mit einem Kuss und macht mich mit ihr bekannt: „Dokter, dit ist Wildschwein, meine Frau – Wildschwein, dit is der Dokter.“
„Freut mich“, sage ich, und Pepe amüsiert sich über meinen fragenden Gesichtsausdruck. Dann sagt er:
„Na, weilse so lecker kocht natürlich, ihr Wildschwein ist Legende. Deshalb. Was dachtest du denn?“
„Genau das. Was dachtest du denn, was ich denke?“
Pepe schlägt mir auf die Schultern und wir setzen uns.
Ihm wird ein goldener Becher gereicht, auf dem sein Name steht. Darin dampft schwarzer Kaffee. Ich bekomme unaufgefordert ein Bier.
„Trinkst du kein Bier, Pepe?“
Der wehrt ab:
„Nee, Alkohol, dit lass ick ma lieber. Hat mir nur Unglück jebracht. Außerdem hab ick et am Magen.“
„Dann ist Kaffee aber auch nicht gut.“
„Brauchst wegen mir nich schwitzen, Dokter, ick komm schon klar.“
Nach einer Weile sagt er:
„So, ick bringma Kaffe wech.“
Als Pepe Richtung Klo verschwindet, sage ich zu Wildschwein, die sich gerade einen Moulin Rouge eingießt:
„Pepe ist oft hier, oder? Er hat ja sogar eine eigene Tasse.“
Sie nickt:
„Haben die Jungs ihm geschenkt. Wegen der Sache mit dem Bauleiter. Hat er nicht erzählt?“
„Nein.“
„Ist auch schon eine Weile her. Pepe ist gelernter Betonbauer. Hat auf den Baustellen am Potsdamer Platz gearbeitet, bis es ihm da zu doof wurde. Im tiefsten Januar hat ihm mal ein Bauleiter befohlen, Beton auszubringen. Da hat Pepe gesagt, nö, mach ick nich, is Schwachsinn, friert ja allet sofort kaputt. Darauf der Bauleiter: Sie machen, was ich sage. Darauf Pepe ganz liebenswürdig: Einverstanden, aber würden Sie sich bitte mal kurz umdrehen? Der dreht sich um, und Pepe tritt ihm voll in den Arsch. Den Job war er natürlich los, aber die Jungs hier haben das gefeiert.“
Als Pepe wieder vom Klo kommt, schaue ich ihn verstohlen genauer an. Seine Ruhe, seine vollkommene Lässigkeit, sein gelegentlich aufblitzendes „Ihr-könnt-mir-alle-mal“ – und ich begreife, welch freier Geist in diesem Manne ist. Stolz, ohne jede Unterwerfung, tatsächlich ein Unbeugsamer.
Wir sind oft im Galaxy. Montags, wenn es drei Kurze zum Preis von zweien gibt. Dienstags, wenn ein großer Futschi nur zweifünfzig kostet. Wenn die Eisbären spielen. Wenn Union spielt. Sowieso, wenn Wochenende ist. Einmal gibt es einen großen AC/DC-Abend mit Eisbein und DVDs von Livekonzerten. Im Lauf der Monate lerne ich die Menschen kennen, die hier im Galaxy ihre zweite oder auch erste Heimat haben.
Achmed aus Neukölln, der Besitzer des Ladens, der immer im Raum nebenan sitzt und dort mit seinem Sohn Mehmet, der eine abgerockte C-Klasse mit schaurigem AMG Tuning-Kit fährt, die Einnahmen zählt.
Krause, der harte Spritti, auch Lumpenpuppe genannt, immer mit drei Promille im Turm. Pepe erzählt, dass er Lumpenpuppe einmal mit zu einem Arbeitseinsatz genommen hat. Es ging darum, eine Kneipe zu entrümpeln. Krause hat aus allen Flaschen, die noch da waren, die Reste gesoffen. Er war noch vor dem Frühstück so angeballert, dass er auf dem Klo einschlief.
Dann ist da Muni mit seinem Terrier. Ein Typ, der nur von seiner Zeit bei der Nationalen Volksarmee erzählt. Deshalb heißt er Muni, abgeleitet von Munition. Sein Terrier heißt Gismo. Gismo verbeißt sich immer in den Holzverstrebungen der Barhocker und kaut daran herum. Erst neulich ist deswegen ein Hocker unter einem der Zecher zusammengebrochen. Seitdem achten alle darauf, dass Gismo sich fernhält. Auf Gismos Halsband steht, liebevoll gestickt, die Wahrheit: Ich darf alles.
Joschi ist da, der in den Siebziger Jahren in der Sowjetunion an der großen Druschba-Trasse arbeitete, von Krementschug am Dnepr bis nach Bar in der Westukraine, und der nie etwas sagt, sondern nur trinkt.
BFC-Andi, großer Dynamo-Fan, der sich im Sommer als Bauarbeiter in Schweden verdingt und bei Schlechtwetter von November bis März im Galaxy am Tresen sitzt, immer mit Blick auf den Sportkanal des Fernsehers.
Neben BFC-Andi hat Spion seinen Stammplatz. Er war nicht in der Stasi, wie man annehmen könnte. Spion hatte in den frühen Neunzigern die eigentlich geschäftstüchtige Idee, den Bewohnern der Plattenbauten von Hellersdorf Türspione zu verkaufen. Mit einer Akkubohrmaschine ist er im Haus unterwegs gewesen, hat geklingelt und behauptet, er komme von der Hausverwaltung und solle schon mal die Löcher bohren für die Glaszylinder, die am nächsten Tag ein Kollege einsetzt. So hat er die Wohnungstüren gelocht und pro Tür 50 Mark Vorkasse genommen. Hatte auch schon bei Dutzenden abkassiert, bis einer der Bewohner misstrauisch wurde und bei der Hausverwaltung anrief. Als Spion aus der Platte kam, stand da schon die Polizei. Er hat gesessen dafür, wohl, weil vorher auch schon mal was anderes gewesen war.
Fliesenmicha ist auch oft da. Mit dem kann Pepe aber nicht viel anfangen, weil der seiner Meinung nach nur Pfusch abliefert.
Am Spielautomaten ist Ingo zu finden, der fluchend blinkende Zahlen hochdrückt. Bodybuilder, Muskelgebirge, Metalhead, mit langem Zopf, deshalb von allen Inge genannt, Spezialität Trockenbau. All diese unerschrockenen Überlebenskämpfer, sie sitzen hier und das Bier hält sie am Leben, zusammen mit der Hoffnung, dass jemand in das Galaxy kommt, der einen Handlanger, einen Schwarzarbeiter, einen Tagelöhner braucht.
Mitunter ist Pepe traurig, weil er zu seinen Kindern nicht den besten Kontakt hat. Der Sohn hat als Kochazubi im Auswärtigen Amt begonnen, sich dann aber von allerlei Unsinn ablenken lassen. Seine Tochter hat sich mit einem windigen Typen eingelassen und ist mit ihm ans Ende Berlins nach Schulzendorf gezogen, wo sie den ganzen Tag Fantasy-Rollenspiele am Computer spielt. Ein paar Mal fahre ich Pepe mit seinem alten Mitsubishi dorthin, er hat schon seit Ewigkeiten keinen Führerschein mehr. Ich gehe dann spazieren, während er bei seiner Tochter ist. Einmal kommt er frustriert wieder und sagt grimmig: „Wenn ick nich schon Alki wär, jetzt könnt ick es werden.“
Eines Tages ruft Pepe mich an und fragt:
„Dokter, kannste mir mal wieder fahren?“
„Klar. Nach Schulzendorf?“
„Nee, nach Nauen. Ick hab mir über Kleinanzeige nen Köter ausjesucht. Brauch ma wieder einen, hatte früher auch einen.“
„Kein Problem.“
„Hab ne Karre klarjemacht, hinten mit ner Pritsche. Falls der Köter kotzt oder kackt, man weeß ja nie.“
In Nauen holen wir den Hund ab, einen kompakten Mischling mit unzähligen Narben und ausgeprägtem Gebiss, der sich laut Besitzerin mit anderen Hunden nicht so gut versteht, zu Menschen aber sehr nett sein soll. Ein Kampfhund also. Er läuft auf Pepe zu und legt sich vor seine Füße. Als die Verkäuferin kurz entschwindet, rotzt Pepe gerührt einen Charlottenburger ins Beet. Wir nehmen den Hund mit. Er winselt leise vor sich hin, sitzt hinten auf der Ladefläche des Monteurwagens und hat den Blues, als wir wieder nach Berlin reinfahren. Um ihn zu trösten, füttert Pepe ihn unentwegt mit Hundesnacks. Dabei erzählt er von seinem früheren Hund: „Damals hab ick in Pankow in den Puffs rund um den Majakowskiring jearbeitet, Hausmeistersachen und so. Ick hatte immer jute Karten bei die Nutten, weeßte, bin ja Frauentyp, Dokter. Mann, haben die meinen Köter verwöhnt, jab immer wat zu fressen für ihn, so seidiges Fell hat er später nie wieder jehabt. Später hab ick in der Rummelsburger Bucht Bootstouren jemacht, und der Hund hat nen Matrosenkäppi uffjehabt. Sah schnieke aus.“
Im Vorbeifahren zeigt Pepe dem Hund, den er Francis nennt, den Alexanderplatz und den Fernsehturm, den eleganten Strausberger Platz, den Trubel des Ring-Centers, und kurz, bevor wir die Atzpodienstraße erreichen, bekommt der Hund hinten auf der Ladefläche die große Scheißerei. „Siehste, Dokter, zu viel Stress. Könnte aber auch an den Hundekeksen liegen, Francis hat ja die janze Packung uffjefuttert. Ejal. Besser hier als inner Wohnung. Zuhause bau ick ihm nen anständijen Napf, hab nochn paar schöne Fliesen. Besser als son Baumarktscheiß.“
Als ich im Herbst mal vom Schornsteinfeger wissen will, ob in meinem uralten, zigmal umgebauten Haus auch noch ein Zug frei ist für einen Ofen, den ich gerne im Wohnzimmer anschließen würde, sagt der, vergessen Sie’s. Aber man sieht doch hier in der Ecke meines Wohnzimmers, dass hier mal ein Ofen stand, sage ich. Ja, aber der Zug ist vielleicht schon weiter oben zugemauert. Und gibt ja keine Pläne mehr, wir können den Zug in Ihrer Wand gar nicht mehr einem der Schlote oben auf dem Dach zuordnen. Das läuft hier alles kreuz und quer. Nix zu machen. Als ich es Pepe sage, lacht der nur verächtlich und sagt, Dokter, brauchst nicht schwitzen, is doch keen Problem. Er kloppt mit ein paar Schlägen seines Lehmanns ein Loch in den Zug in meiner Wohnzimmerwand und sagt, ich soll mal meine Hand reinhalten. Dann klettert Pepe aufs Dach des Hauses und schmeißt in jeden der Schlote einen numerierten Tennisball. Plötzlich fällt mir einer der Bälle in die Hand. Der Zug ist frei und der Schlot zugeordnet. Selbst der Schornsteinfeger ist beeindruckt, wenn auch widerwillig. Mein Ofen kann angeschlossen werden.
Dann, im Herbst 1998, verschlimmern sich plötzlich Pepes Magenprobleme, und dann erzählt er mir beim Kaffee im Galaxy, was er sowieso schon länger weiß. Magenkrebs, Dokter, zuviel Alkohol, Kippen und Lorke. Kannste nix machen. Kismet.
Es geht schnell. Pepe ist austherapiert und stirbt wenige Wochen später im Lichtenberger Hospiz in der Herzbergstraße. Einen Tag vorher besuche ich ihn noch mal, doch er ist nicht mehr ansprechbar. Wildschwein sitzt an seinem Bett, ebenso seine beiden Kinder. Francis liegt in Pepes Arm und leckt die Hand, die sich nicht mehr bewegt.
Nachdem Pepe gestorben ist, hört Wildschwein auf, im Galaxy zu arbeiten. Eines Tages klingelt sie bei mir und schenkt mir Pepes goldenen Becher. Der ist für dich, pass gut drauf auf. Na klar, vielen Dank, sage ich.
Heute ist das Café nicht mehr rund um die Uhr geöffnet. Achmed und Mehmet sind immer noch da, und auch BFC-Andi, Muni, Spion, Inge und Fliesenmicha sehe ich dort noch manchmal.

Ich fege die Scherben auf einen Handfeger, während sie mich besorgt anschaut und fragt, was ich denn für ein Typ bin, der bei einer kaputten Tasse anfängt zu weinen. Ich antworte, dass ein Freund sie mir vermacht hat, der verstorben ist. Oh, sagt sie erschrocken, das tut mir leid. Und ich antworte:
„Brauchst nich schwitzen, ist alles gut.“

***

(Wettbewerbsbeitrag zum Schloss Wartholz Literaturpreis 2018, Österreich)

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